Diätetische und adaptive Maßnahmen in der Dysphagie-Therapie

Vielen Patienten mit einer Dysphagie kann bereits mit einer Umstellung der Kostform geholfen werden. Neben der Konsistenz der angebotenen Lebensmittel hat auch die Art der Produkte einen Einfluss auf die Schluckfähigkeit.


Konsistenzen

Viele Lebensmittel lassen sich in ihrer Konsistenz anpassen. Patienten, bei denen im Rahmen einer fiberendoskopischen Schluckuntersuchung festgestellt wurde, dass es praedeglutitiv zu massivem Leaking von Flüssigkeiten kommt, sollten auf Flüssigkeiten verzichten und Getränke andicken.

Für diesen Zweck gibt es auf dem Markt Dickungsmittel, die amylaseresistent sind. Das heißt, dass sich die so angedickten Getränke bei Kontakt mit Speichel nicht wieder verflüssigen. Die Aufspaltung und Trennung von Bindemittel und Flüssigkeit geschieht bei diesen Produkten erst im Dünndarm.

Für die tägliche Praxis hat es sich als praktikabel erwiesen, unterschiedliche Konsistenzen auszuprobieren.

Die meisten Therapeuten verwenden eine Skala von flüssig > nektarartig > sirupartig > honigartig > fest, um die Konsistenzen zu benennen.

Störungsadaptierte Konsistenzen

Je nach Störung im Schluckakt, lassen sich adaptive Maßnahmen ableiten.

StörungAdaptive Maßnahmen
Boluskontrollehomogene Kost
angedickte Flüssigkeiten
Zungenbasis-Retraktionhomogene Kost
Speise mit guter „Gleitfähigkeit“
SchluckreflexSpeisen mit starken thermischen oder gustatorischen Reizen
GlottisschlussFlüssigkeiten andicken
Oberer Ösophagus-SphinkterSpeisen mit höherer Fließgeschwindigkeit
Pharynx-Kontraktionweiche Speisen, gute Fließeigenschaften
SensibilitätSpeisen mit starken thermischen und gustatorischen Reizen
GaumensegelSpeisen mit hoher Fließgeschwindigkeit

Beispiele für Nahrungsmittel

Außerdem kann mit einer Vorauswahl an Lebensmitteln der Schluckakt positiv beeinflusst werden. Gerade Patienten, die auf Grund einer neurogenen Erkrankung an einer Schluckstörung leiden, profitieren von einem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel.

Eine unvollständige Liste an Lebensmitteln, die für Dysphagie-Patienten geeignet bzw. nicht geeignet sind:
FleischBelagBackwaren
Gefügel
Kalbfleisch
Kaninchen
feinfaseriges Schweinefleisch
Topfenkäse
Streichkäse
Schnittkäse
entrindetes Weißbrot
Mischbrot
Reisflocken
Rindfleisch
panierte Fleischgerichte
trockenes Fleisch
Schmelzkäse
Käse mit Nuss- oder Pfefferstücken
Kräuterkäse
Reis
Haferflocken
Kuchen mit Nüssen
Rosinen

Nahrungsergänzung

Wenn Aufmerksamkeit und Vigilanz eine adäquate Ernährung unmöglich machen oder die Kraft und Ausdauer eines Patienten für eine vollständige orale Ernährung nicht ausreichen, kann mit Nahrungsergänzungspräparaten eine weitere orale Ernährung gesichert werden.

  • hochkalorische Getränke in flüssiger, nektarartiger und halbfester Konsistenz,
  • bilanzierbare Produkte, die normale Speisen und Getränke in eine hochkalorische Mahlzeit verwandeln

Damit kann eine Ernährung sichergestellt werden, der verminderten Ausdauer und Kraft wird durch eine Reduzierung der Nahrungsmenge Rechnung getragen, ohne die Nährstoffmenge zu verringern.

Einige dieser Nahrungsergänzungspräparate sind für die ausschließliche Ernährung geeignet. Sie sollten zusätzlich eingesetzt werden, wenn im Rahmen einer Kostformänderung die Versorgung mit Nährstoffen nicht ausreicht.

Passierte Kost bzw. homogene Kost in vielen Kliniken und Einrichtungen entspricht nicht den Richtlinien und muss mit Nahrungsergänzungen komplettiert werden.

Babynahrung und hippe Vitaminkapseln oder Powerdrinks wie Juice Plus sind nicht für die Ernährung Schluckgestörter Patienten geeignet.