Als stille Aspiration (englisch: silent aspiration) bezeichnet man das Eindringen von Bolus unterhalb der Stimmlippen in die Atemwege, ohne dass dies durch Husten oder andere sichtbare Schutzreflexe bemerkt wird. Sie gilt als klinisch besonders bedeutsam, da sie weder vom Patienten noch vom Untersucher bei der klinischen Schluckuntersuchung zuverlässig erkannt werden kann.
Das Fehlen einer Hustenreaktion bei Aspiration ist häufig Ausdruck einer reduzierten laryngealen Sensibilität – etwa bei neuromotorischen Erkrankungen, höherem Lebensalter oder nach Tracheotomie. Schätzungen zufolge liegt bei bis zu 40 % der Patienten mit Schlaganfall eine stille Aspiration vor.
Die sichere Diagnose der stillen Aspiration erfordert instrumentelle Verfahren: In der FEES und der VFS wird das Unterschreiten der Stimmlippen durch Bolus direkt visualisiert und mit der Penetrations-Aspirations-Skala (PAS) bewertet. Klinische Screeningverfahren wie Pulsoximetrie oder Wasser-Schluck-Tests haben eine eingeschränkte Sensitivität.
