Als Residuen bezeichnet man Bolusteile, die nach dem Schluck im Pharynx zurückbleiben. Der Vorgang, durch den sie entstehen, heißt Retention. Residuen sind in der FEES direkt sichtbar und gehören zu den aussagekräftigsten Befunden: Ihre Lokalisation verrät viel über den zugrunde liegenden Pathomechanismus.
Wo Residuen liegen – und was das bedeutet
| Lokalisation | Hinweis auf | Mögliche Maßnahmen |
| Valleculae | Reduzierte Zungenbasisretraktion, eingeschränkte Epiglottisinversion | Masako-Manöver, Effortful Swallow, Doppelschluck |
| Sinus piriformes | Eingeschränkte Larynxelevation, gestörte UES-Öffnung | Shaker-Übung, CTAR, Mendelsohn-Manöver |
| Einseitig betont | Einseitige Pharynxparese | Kopfdrehung zur paretischen Seite |
| Pharynxhinterwand, diffus | Reduzierte Pharynxkontraktion | Effortful Swallow, Konsistenzanpassung |
Wann sind Residuen gefährlich?
Nicht jede Residue ist ein Risiko. Entscheidend sind drei Fragen: Wie viel bleibt liegen? Wird es mit spontanem Nachschlucken abgeräumt? Und läuft es in den Larynx über? Kleine Residuen, die mit einem Nachschluck verschwinden, sind anders zu bewerten als große, beidseitige Residuen in den Sinus piriformes, die trotz Reinigungsschlucken bestehen bleiben. Überlaufende Residuen sind die häufigste Quelle postdeglutitiver Penetration und Aspiration – oft still.
Residuen bewerten und dokumentieren
Beschreibe Residuen immer mit Lokalisation, Menge, Seitenbetonung, Konsistenz und Reaktion des Patienten. Für eine vergleichbare Graduierung stehen standardisierte Residuenskalen zur Verfügung; eine Übersicht findest du unter Scores und Skalen. Residuen sind außerdem ein Effizienzparameter: Viele Residuen bedeuten mehr Schlucke pro Bissen, längere Mahlzeiten und schnellere Ermüdung – auch ohne Aspiration.
Praxistipp
Prüfe in der FEES direkt, ob ein Doppelschluck, ein Effortful Swallow oder eine Konsistenzänderung die Residuen reduziert. Erst was in der Bildgebung wirkt, gehört in die Empfehlung.
→ Mehr dazu: Pathologie bei einer FEES
