Die pharyngeale Elektrostimulation (PES) ist ein gerätegestütztes Verfahren zur Behandlung neurogener Dysphagien, bei dem über eine dünne transnasale Elektrodensonde elektrische Impulse direkt an die Pharynxmukosa appliziert werden. Sie ist derzeit das einzige gerätebasierte Verfahren in der Dysphagietherapie mit belastbarem Wirknachweis aus randomisierten kontrollierten Studien.
Das Wirkprinzip basiert auf neuraler Plastizität: Die elektrische Stimulation aktiviert afferente sensorische Bahnen aus dem Pharynx und moduliert kortikale Repräsentationsareale des Schluckens. Ziel ist die Förderung kortikaler Reorganisation – besonders relevant nach Hirnläsionen, bei denen die nicht-betroffene Hemisphäre kompensatorisch übernehmen kann.
Die PES wird in der Regel als Kurzintervention (drei aufeinanderfolgende Tage, je 10 Minuten) durchgeführt. Das klinisch eingesetzte System (Phagenesis/Ampcare) ist nach EU-MDR als Medizinprodukt zugelassen. Studien – darunter der PHAST-Trial (Bath et al.) – zeigen signifikante Verbesserungen der Schluckfunktion bei tracheotomierten Schlaganfallpatienten mit schwerer Dysphagie sowie bei weiteren neurologischen Patientengruppen.
PES ist keine Monotherapie, sondern wird in ein umfassendes Therapiekonzept integriert. Die Durchführung erfordert spezifische Schulung und die entsprechende Gerätschaft.
Verwandte Begriffe: Neurogene Dysphagie, NMES, Restituierende Maßnahmen, FEES, Schlaganfall
