Der EAT-10 (Eating Assessment Tool) ist ein validierter Selbstauskunftsfragebogen zur Einschätzung von Schluckbeschwerden aus Sicht der Betroffenen (Belafsky et al. 2008). Zehn Aussagen werden jeweils mit 0 (kein Problem) bis 4 (starkes Problem) bewertet; der Summenscore reicht von 0 bis 40. Ein Wert von 3 oder mehr gilt als auffällig und ist ein Hinweis, das Schlucken weiter abzuklären. Der EAT-10 ist kein Diagnoseinstrument, sondern ein niedrigschwelliges Screening- und Verlaufsmaß.
Hintergrund
Belafsky und Kolleginnen entwickelten den EAT-10 als kurzes, symptomspezifisches Outcome-Instrument, das sich in wenigen Minuten ohne Hilfsmittel ausfüllen lässt. Er wurde an Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Ursachen einer Dysphagie geprüft und ist inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche. Der Fragebogen erfasst nicht, wie jemand schluckt, sondern wie stark die Person ihre Beschwerden und deren Folgen erlebt.
Aufbau und Auswertung
Die zehn Items decken körperliche, funktionelle und emotionale Aspekte ab, sinngemäß unter anderem:
- Gewichtsverlust durch Schluckprobleme
- Einschränkungen beim Essen außer Haus
- Mehraufwand beim Schlucken von Flüssigkeiten, fester Nahrung und Tabletten
- Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie)
- Beeinträchtigte Freude am Essen
- Gefühl, dass Nahrung im Hals stecken bleibt
- Husten beim Essen
- Stress beim Schlucken
| Merkmal | EAT-10 |
| Art | Selbstauskunft (Patient-Reported Outcome) |
| Items | 10, je 0–4 Punkte |
| Summenscore | 0–40 |
| Auffällig | ≥ 3 Punkte |
| Dauer | wenige Minuten |
| Voraussetzung | ausreichendes Sprachverständnis, Krankheitseinsicht und Selbstwahrnehmung |
Einsatz in der Praxis
- Screening: etwa in der Ambulanz, in der Geriatrie oder bei neurologischen Erkrankungen, um Schluckbeschwerden systematisch zu erfragen, die von sich aus nicht berichtet werden.
- Verlauf: wiederholte Erhebung vor und nach Therapie oder medizinischen Eingriffen bildet die subjektive Veränderung ab.
- Gesprächseinstieg: Die Antworten zeigen, welche Situationen die Person belasten – ein guter Ausgangspunkt für Anamnese und Zielsetzung.
Grenzen
Der EAT-10 misst Wahrnehmung, nicht Funktion. Wer Penetration oder Aspiration nicht spürt, gibt auch keine Beschwerden an – stille Aspiration erkennt der Fragebogen daher nicht zuverlässig. Ein unauffälliger Wert schließt eine relevante Dysphagie nicht aus. Das betrifft vor allem Personen mit reduzierter Sensibilität oder Krankheitswahrnehmung, etwa bei Morbus Parkinson oder Demenz: Hier kann der EAT-10 das Gespräch über Schluckprobleme öffnen, darf aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage dienen. Bei kognitiven oder sprachlichen Einschränkungen (z. B. Aphasie) ist die Selbstauskunft oft nicht valide erhebbar.
Ein auffälliger Wert ersetzt keine klinische Schluckuntersuchung und keine instrumentelle Diagnostik wie FEES oder Videofluoroskopie. Er begründet die weitere Abklärung.
Abgrenzung zu anderen Scores
Der EAT-10 ergänzt andere Instrumente, ersetzt sie aber nicht:
- Bettseitige Screenings wie GUSS oder SSA prüfen das Schlucken direkt mit Testboli.
- Instrumentelle Befundscores wie die Penetrations-Aspirations-Skala bewerten die Atemwegssicherheit pro Schluck in FEES oder VFSS.
- Verlaufsscores wie die FOIS oder der MUCSS beschreiben, was eine Person tatsächlich oral zu sich nimmt bzw. wie Speichel und Ernährung bewältigt werden – aus Fremdperspektive.
Sinnvoll ist die Kombination: Der EAT-10 liefert die Patientenperspektive, die übrigen Instrumente Funktion, Sicherheit und Ernährungsstatus.
→ Mehr dazu: Scores und Skalen
