Drooling

Drooling bezeichnet das Austreten von Speichel oder Nahrung aus dem Mund, meist durch inkompletten Lippenschluss oder reduzierte Aufmerksamkeit für den oralen Bolus.

Drooling (Sialorrhoe im weiteren Sinn, Speichelfluss) bezeichnet den unwillkürlichen Austritt von Speichel – seltener auch von Nahrung oder Flüssigkeit – aus dem Mund. Gemeint ist im engeren Sinn der anteriore Speichelverlust über die Lippen. Ursache ist in den meisten Fällen nicht eine vermehrte Speichelproduktion, sondern eine gestörte Speichelkontrolle: inkompletter Lippenschluss, reduzierte Schluckfrequenz oder verminderte Wahrnehmung des Speichels im Mund.

Anteriores und posteriores Drooling

Klinisch hilfreich ist die Unterscheidung zwischen anteriorem und posteriorem Drooling. Anteriores Drooling ist sichtbar: Speichel läuft aus dem Mund, die Kleidung ist nass, die Haut im Mundwinkel kann mazerieren. Posteriores Drooling meint den Abfluss von Speichel nach hinten in den Pharynx, ohne dass er rechtzeitig geschluckt wird. Es ist von außen nicht sichtbar, aber für die Atemwege deutlich gefährlicher, weil es zu Speichelpenetration und stiller Aspiration führen kann. In der FEES zeigt sich posteriores Drooling als Sekretstau im Hypopharynx, der mit der Murray-Skala eingeschätzt werden kann.

Ursachen

  • Morbus Parkinson: vor allem reduzierte spontane Schluckfrequenz, vornübergeneigte Kopfhaltung und Hypomimie mit offenem Mund (siehe Dysphagie bei Parkinson).
  • ALS: Schwäche der Lippen-, Zungen- und Schluckmuskulatur bei bulbärer Beteiligung (siehe Dysphagie bei ALS).
  • Zerebralparese: gestörte orofaziale Motorik und Sensibilität, oft kombiniert mit offener Mundhaltung.
  • Schlaganfall und Fazialisparese: einseitig inkompletter Lippenschluss, reduzierte Sensibilität im Mundraum.
  • Kopf-Hals-Tumoren: Resektionen an Lippe, Zunge oder Mundboden, Sensibilitätsverlust nach Operation.
  • Medikamente, die die Speichelproduktion steigern, sowie Vigilanzminderung.

Klinische Bedeutung

Drooling ist mehr als ein kosmetisches Problem. Es belastet Betroffene sozial, führt zu Hautirritationen, Flüssigkeitsverlust und häufigem Wäschewechsel. Vor allem ist es ein Hinweis auf eine gestörte Speichelbewältigung – und wer seinen Speichel nicht kontrolliert, hat oft auch beim Essen und Trinken Probleme. Drooling sollte daher immer Anlass für eine vollständige Schluckdiagnostik sein.

Logopädische Maßnahmen

  • Training von Lippenschluss, Zungenbeweglichkeit und orofazialer Kraft
  • Verbesserung der Wahrnehmung: sensorische Stimulation im Mundraum, bewusstes Spüren von Speichel
  • Steigerung der Schluckfrequenz durch Erinnerungshilfen, z. B. akustische oder vibrierende Signale in regelmäßigen Abständen
  • Optimierung von Kopf- und Rumpfhaltung, insbesondere bei Parkinson und Zerebralparese (siehe Haltung und Lagerung)
  • Mundpflege und Hautpflege im Mundwinkelbereich

Ärztliche Optionen

Reichen logopädische Maßnahmen nicht aus, gibt es ärztliche Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Injektionen von Botulinumtoxin in die großen Speicheldrüsen (Parotis, Glandula submandibularis), anticholinerg wirksame Medikamente sowie in ausgewählten Fällen chirurgische Verfahren oder eine Bestrahlung der Speicheldrüsen. Indikation, Auswahl und Dosierung liegen ausschließlich in ärztlicher Verantwortung. Wichtig für dich: Eine Reduktion der Speichelmenge kann zähen Speichel und Mundtrockenheit verursachen, was das Schlucken und die Mundhygiene wiederum erschwert. Beobachte solche Effekte und gib sie an das ärztliche Team weiter.

Abgrenzung

Drooling betrifft den Speichelverlust nach vorne. Das vorzeitige Abgleiten des Bolus nach hinten in den Pharynx vor dem Schluck heißt Leaking. Echte Hypersalivation, also eine tatsächlich vermehrte Speichelproduktion, ist deutlich seltener als die gestörte Speichelkontrolle.

→ Mehr dazu: Symptome einer Dysphagie