Der Bolus bezeichnet den geformten Speisebrei, der beim Schluckakt durch den Mund- und Rachenraum transportiert wird. Im Laufe des oralen Schluckablaufs formt die Zunge gemeinsam mit Wangen und Gaumen das aufgenommene Nahrungs- oder Flüssigkeitsvolumen zu einem kompakten Bissen.
Konsistenz, Volumen und Viskosität des Bolus beeinflussen den gesamten Schluckablauf erheblich. Flüssige Boli passieren den Pharynx schneller als feste, was bei Patienten mit verzögertem Übergang in den unwillkürlichen Schluckablauf ein erhöhtes Aspirationsrisiko bedeuten kann. Umgekehrt können pastenförmige Boli bei reduzierter Zungenmuskelkraft schwerer transportiert werden und zu pharyngealen Residuen führen.
In der Schluckdiagnostik ist die Bolusgröße ein wichtiger Parameter: Standardisierte Bolusvolumina (z. B. 3 ml, 5 ml, 10 ml) ermöglichen den Vergleich zwischen Untersuchungszeitpunkten und Methoden. Die gezielte Modifikation des Bolus – etwa durch Andicken von Flüssigkeiten oder Pürieren fester Speisen – ist ein zentrales therapeutisches Instrument bei der Dysphagie-Behandlung.
