Die FEES ist so gut wie ihre Dokumentation. Ein Befund, der nur „Aspiration von Flüssigkeiten“ notiert, ohne Lokalisation, PAS-Score, Speichelstatus, Reinigungsmanöver und Empfehlung, ist klinisch nicht verwertbar. Und ein Befund ohne strukturierte Ernährungsempfehlung lässt das Team ohne Handlungsgrundlage.
Diese Seite beschreibt den Aufbau eines vollständigen FEES-Befundes und die dafür notwendigen Scores.
Struktur eines FEES-Befundes
Ein vollständiger FEES-Befund enthält die folgenden Abschnitte – in dieser Reihenfolge, mit den wesentlichen Informationen möglichst im oberen Drittel der ersten Seite:
1. Stammdaten und klinischer Kontext
- Name, Datum, Untersucher
- Diagnose und Läsionslokalisation (bei neurologischen Patienten)
- Aktueller Ernährungsstatus und Vorernährungsform
- Relevante Medikation, Tracheotomie-Status
2. Allgemeiner Status
- Vigilanz und Compliance während der Untersuchung
- Oro-faziale Motorik (kurz – sofern nicht separat in KSU dokumentiert)
- Stimmlippenmobilität und -symmetrie
- Strukturbefund (Ödem, Granulome, anatomische Besonderheiten)
3. Funktionsprüfung
- Velopharyngealer Verschluss (bei Phonation: vollständig, inkomplett, stark reduziert)
- Glottisschluss (Murray-Glottisschluss-Skala 0–6)
- Taschenfaltenadduktion
- Hustenreaktion (willkürlich und auf Reiz)
4. Speichelstatus (Murray-Sekretbewertungsskala)
- Score 0–3 mit kurzem Kommentar zur Lokalisation
5. Schluckversuche pro Konsistenz
Für jede getestete Konsistenz und jedes Volumen dokumentierst du:
- Prädeglutitiv: Leaking? Bis wohin? Prädeglutitive Penetration oder Aspiration?
- Postdeglutitiv: Residuen – Lokalisation, Menge (gering/moderat/schwer), Reinigbarkeit
- Penetration/Aspiration: PAS-Score (1–8), mit oder ohne Schutzreaktion
- Stimmqualität nach Schlucken: unverändert, wet voice, heiser
6. Kompensatorische Strategien
- Welche Manöver wurden getestet?
- Effekt auf Residuenmenge, Penetration, Aspiration – dokumentiert am PAS-Score
7. Zusammenfassende Beurteilung
- FOIS-Score (Functional Oral Intake Scale, 1–7)
- FEDSS-Score (bei Schlaganfall; 1–6)
- Schweregrad der Dysphagie in Worten
- Hauptstörungsmuster (prä-, intra-, postdeglutitiv, Phasenschwerpunkt)
8. Empfehlung
Das ist der Teil, den alle lesen – Pflege, Arzt, Angehörige. Formuliere klar und konkret:
- Ernährungsform: oral, supplementär enteral, ausschließlich enteral
- Konsistenz nach IDDSI-Level (0–7 für Getränke/Speisen)
- Spezifische Maßnahmen: Doppelschluck, Aufsicht, Kopfhaltung, Portionsgröße
- Mundpflege-Empfehlung
- Weiteres Vorgehen: Verlaufskontrolle, VFS, manuelle Therapie, etc.
IDDSI als Kommunikationsstandard
Das International Dysphagia Diet Standardisation Initiative (IDDSI)-Framework ist der aktuelle internationale Standard zur Beschreibung von Nahrungs- und Flüssigkeitskonsistenzen. Es ersetzt veraltete hausintere Bezeichnungen wie „Breikost“, „Schonkost“ oder „leichte Vollkost“ durch numerisch und deskriptiv standardisierte Level.
| Level | Bezeichnung | Beschreibung | Klinische Indikation (Beispiel) |
| 0 | Dünnflüssig | Wasser, Tee, klare Brühe | Nur bei sicher erhaltener pharyngealer Clearance |
| 1 | Leicht dickflüssig | Etwas dicker als Wasser | Reduziertes Leaking-Risiko |
| 2 | Mäßig dickflüssig | Nektar-Konsistenz | Leichtes bis moderates Aspirationsrisiko für Dünnflüssiges |
| 3 | Stark dickflüssig | Honigartig | Moderates Aspirationsrisiko, UES-Pathologie |
| 4 | Püriert | Glatt, kein Kauen nötig | Orale Phase eingeschränkt, Kaustörungen |
| 5 | Fein gehackt und weich | Kleine Stücke, weich, feucht | Leichte Kaustörung, eingeschränkte Zungenmotorik |
| 6 | Weich und mundgerecht | Kann mit Zunge zerdrückt werden | Mäßige Kaustörung |
| 7 | Regular | Normale Nahrung | Keine Konsistenzanpassung nötig |
Die Konsistenzempfehlung im FEES-Befund sollte immer mit einem IDDSI-Level angegeben werden – nicht mit hausinternen Begriffen, die von Einrichtung zu Einrichtung variieren.
Beispiel eines FEES-Befundes
Bei madoo.net gibt es zwei gute FEES-Befundbögen als Inspiration. Einer von Michaela Trapl-Grundschober und einer von Alexander Fillbrandt.
Außerdem gibt es dort Erinnerungshilfen zu Pathologien und speziellen FEES-Protokollen:
