Kompensatorische Schluckmuster

Mit kompensatorischen Schluckmustern lernt der Patient, Probleme im Schluckablauf positiv zu beeinflussen.


Mendelsohn-Manöver

Quelle: Jacob et al., 1987

Das Mendelsohn-Manöver gehört zu den kompensatorischen Verfahren, lässt sich aber ebenfalls als restituierenden Therapieinhalt einsetzen.

Durchführung:

Mit Hilfe der Vorstellung den Zungenrücken beim Schlucken an den Gaumen zu drücken, soll der Kehlkopf für zwei bis drei Sekunden oben gehalten werden. Danach folgt die Entspannung und ggf. ein Nachschlucken.

Sollte der Patient nicht in der Lage sein, die Zunge kräftig an den Gaumen zu drücken und diese Bewegung zu halten, kann auch von außen der Kehlkopf an der Stelle fixiert werden.

Indikation:

Bei eine Öffnungsstörung des Oberen Ösophagus Sphinkters und bei einer unzureichenden Larynxelevation ist das Mendelsohn-Manöver indiziert.

Effekt:

Durch die bewusste Verlängerung des Schluckaktes in der pharyngealen Phase (Öffnung des Oberen Ösophagus Sphinkters) können Residuen vermindert werden. Außerdem wird die Pharynxkontraktion unterstützt.


Supraglottisches Schlucken

Quelle: Logemann, 1998; Hirst et al., 1998

Durchführung:

Während des Schluckens wird die Luft bewusst angehalten.

Direkt nach dem ersten Schluck folgt ohne Zwischenatmung ein Räuspern oder Husten und ein weiteres Schluck. Erst dann wird wieder geatmet.

Indikation:

Bei verzögertem Auslösen des Schluckreflexes und bei einem inkompletten Glottisschluss kann mit Hilfe des supraglottischen Schluckens die Sicherheit des Ablauf erhöht werden.

Gerade wenn in der bildgebenden Schluckuntersuchung deutliche Penetration zu beobachten ist, liegt im supraglottischen Schlucken ein effektives kompensatorisches Muster.

Effekt:

Während des Luftanhaltens bleiben die Stimmlippen geschlossen. Mögliche Retentionen auf den Stimmlippen oder Bolusreste im Aditus Laryngis – als Folge von Penetration – werden am Eindringen in die Luftröhre gehindert. Anschließend werden sie durch das Husten bzw. Räuspern entfernt und anschließend abgeschluckt.

Eine Kontrolle der Effektivität wird mit Hilfe der Bildgebung durchgeführt. Das gilt auch für die Variante super supraglottisches Schlucken.

Variante:

Beim Super supraglottisches Schlucken wird zusätzlich zum Luftanhalten ein Pressen über die Atem- und Bauchmuskulatur durchgeführt.

Der Glottisschluss wird verbessert und dadurch die Atemwege besser geschützt. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn bei der Diagnostik ein inkompletter Glottisschluss beobachtet werden konnte und einfaches Luftanhalten nicht zu einem Schluss der Stimmlippen führt.